Während drinnen in der Sputnikhalle bei UWE against the Maschine die Luft bereits die Konsistenz von warmem Motoröl angenommen hatte und der Mob kollektiv jede Form von Vernunft aus den Angeln trat, spielte sich draußen beinahe unbemerkt ein zweites Schauspiel ab. Ein klassischer Fehler in der Feldforschung des Rock’n’Roll: Man folgt dem größten Lärm und übersieht dabei die wirklich interessanten Mutationen am Rand des Geschehens.
Fast hätte ich Rabbit Hole komplett verpasst.
Als ich schließlich draußen aufschlug, waren nur noch die letzten beiden Songs übrig. Zwei verdammte Songs. Zu wenig für eine seriöse Analyse, mehr als genug für eine Diagnose. Die Band feuerte ihre Nummern mit der Selbstverständlichkeit einer Truppe ab, die genau weiß, warum sie auf der Bühne steht. Kein unnötiger Firlefanz, keine kalkulierte Coolness – einfach Alternative Rock und Nu-Grunge, direkt in die Magengrube serviert.
Patrick an Gesang und Gitarre führte die Sache mit der nötigen Portion Wahnsinn an, während Marcus die zweite Gitarre wie ein chirurgisches Werkzeug durch die Klangwand trieb. Carsten am Bass sorgte dafür, dass die Fundamente nicht einstürzten, und Philipp prügelte die Songs mit stoischer Entschlossenheit nach vorne.
Vor der ebenerdigen Bühne hatte sich eine beachtliche Menschenmenge versammelt. Niemand wirkte so, als wäre er zufällig dort gelandet. Die Leute wollten feiern, und Rabbit Hole lieferte den passenden Soundtrack dazu. Die letzten beiden Stücke waren roh, druckvoll und genau schmutzig genug, um Erinnerungen an die große Zeit des Grunge hervorzurufen, ohne dabei wie eine Nostalgieveranstaltung zu wirken.
Manchmal reichen zwei Songs, um zu wissen, dass man etwas verpasst hat.
Rabbit Hole gehören definitiv in diese Kategorie. Beim nächsten Mal komme ich früher. Oder wenigstens nüchterner.