Die Nacht begann nicht, sie wurde angefahren wie ein rostiger Trecker ohne Bremsen – und vorne auf dem Anhänger: Wabbleg. Seit 1997 im Umlauf, ein Haufen Punkrock-Rumgestümper aus Ochtrup, der sich über die Jahre zu einer Art lokalem Naturgesetz entwickelt hat. Nicht schön, nicht filigran – aber zuverlässig wie Katerstimmung am Sonntagmorgen.
Als Opener beim Solikult für SARAH Seenotrettung betraten sie die Bühne mit der Gelassenheit von Leuten, die genau wissen, dass sie gleich alles kurz und klein spielen werden. Kein großes Tamtam, kein falscher Pathos – einfach rein in den Lärm. „Preacher Soulstealer“ trat dir direkt in die Magengrube, gefolgt von „Sticks“ und „Live Dabei“, als hätte jemand den Verstärker mit billigem Fusel statt Strom betrieben. Und dann „This Horse is a Rock“ – ein Titel, der klingt wie ein Fiebertraum und sich auch genau so anfühlt.
Frontmann Martin: ein menschliches Kraftwerk mit eingebautem Kontrollverlust. Auf der Bühne eine Naturgewalt, die dich zwingt hinzusehen, selbst wenn du es nicht willst. Abseits davon allerdings ein tragischer Held im Kampf gegen die Gesetze der Flaschenphysik – mehr Bier auf dem Boden als im System, ein Opfer der Schwerkraft und der eigenen Begeisterung.
Das Set raste seinem Finale entgegen wie ein Einkaufswagen ohne Lenkrad, und mit „Spoiling Your Show“ wurde dann auch noch der letzte Rest Ordnung fachgerecht entsorgt. Kein eleganter Abgang, kein Applausgeheische – einfach Schluss, Licht an, Realität wieder einschalten.