Nach dem Eröffnungsangriff von Dekathexis war die Luft in der Sputnikhalle Münster bereits so dick, dass man sie mit einem Brotmesser hätte schneiden können. Die Temperatur bewegte sich irgendwo zwischen Hochsommer und Hochofen, das Bier floss weiterhin in bedenklichen Mengen, und dann marschierten Orphalis aus Dortmund auf die Bühne.
Ein gefährlicher Fehler für alle Anwesenden.
Seit 2010 treiben diese Wahnsinnigen ihr Unwesen und haben inzwischen vier Longplayer veröffentlicht. Die aktuelle Abrissgenehmigung hört auf den Namen „As The Ashes Settle“ und erschien 2023. Doch an diesem Abend ging es nicht um Diskografien oder Jahreszahlen. Es ging um die vollständige Zerstörung jeder noch verbliebenen Konzentrationsfähigkeit.
Mit „Forging an Entity“ eröffneten Orphalis ihre neun Songs umfassende Offensive. Was folgte, war eine Lehrstunde in brutalem Technical Death Metal. Morten und Jens droschen ihre Gitarren durch komplizierte Riff-Konstruktionen, als würden sie versuchen, ein schwarzes Loch zu erschaffen. Marius prügelte sein Schlagzeug durch Geschwindigkeitsbereiche, die vermutlich gegen mehrere internationale Abkommen verstoßen. Thomas am Bass hielt das Fundament zusammen, während Frontmann Thomas seine Vocals wie eine Naturkatastrophe über die Menge auskippte.
Von „Watch Them Descend“ über „Ritual of Conflagration“ bis zum finalen „Crowned In Hatred“ gab es keine Verschnaufpause. Die ohnehin bereits angeheizte Stimmung kochte endgültig über. Die ersten Bierbecher flogen, die ersten Nacken gaben auf und die ersten Zuschauer sahen aus, als hätten sie soeben einen kleinen Krieg überlebt.
Orphalis kamen nicht, um das Publikum zu unterhalten. Sie kamen, um es fachgerecht zu zerlegen. Mission erfüllt 😎🥰🤘